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Rennbericht: 1.Schindertrail virtual backyard ultra

Es war also alles vorbereitet und dann Dummheit deluxe. 🙁

Montags kam ich auf die Idee endlich mal mein aktuelles Fitness-Level bei Freeletics zu definieren, um nach dem backyard ultra voll durchstarten zu können. Jou, lockere Squats führten dann allerdings zu einer leichten Zerrung im hinteren Oberschenkelbereich. Dummheit einfach.

Beine lockern auf dem Rad, dann Blackroll und Massagepistole, Voltaren und ein bisschen Beine lockern am Mittwoch und Donnerstag und dann einfach die Suppe auslöffeln. Unsicherheit inklusive, es sollte aber zum Glück keine Auswirkung haben. Trotzdem: keine unbedachten Aktionen vor einem Wettkampf!

Am Donnerstag hatte ich bereits das Setup meines Start-/Zielbereichs zur Probe aufgebaut, so dass der Aufbau am Freitag Morgen schnell von der Hand ging.

Schnell noch ein bisschen bei social media Eigenwerbung betrieben und dann war auch schon zehn Uhr und der virtuelle Startschuss erfolgte.

Die ersten sechs Runden

Die Rundenzeit habe ich mir nicht wirklich geplant. 45 bis 50 Minuten habe ich anvisiert, um nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Pause zwischen den Runden zu haben. Es lief gut, so dass ich die Zeit sogar etwas unterbieten konnte und mich damit gut fühlte.

RundeRundenzeit
142:38
242:18
342:24
441:26
542:06
642:18
Rundenzeiten während der ersten sechs Stunden

Zu Beginn noch das ein oder andere Foto für den Rennbericht gemacht, aber dann ist die Runde eben auch einfach immer nur die gleiche.

Der Anstieg zu Beginn der Tagesrunde verleitet dazu ihn zu laufen. Für einen normalen Lauf völlig okay, hier musste ich mich gerade zu Beginn wirklich zwingen einen Schritt zurück zu machen und zu gehen. Etwa 140 Höhenmeter pro Runde darf man nicht ignorieren.

Nach sechs Runden hat man nicht mal einen Marathon hinter sich, dafür aber noch unendlich viel vor sich. Die erste Ernüchterung macht sich breit. Das wird hart.

Von Beginn an habe ich darauf geachtet nicht zu geschwitzt zu sein. Das heißt immer schön vorsorglich die Laufshirts gewechselt, abgetrocknet. Oberkörper, zwischen den Beinen. Körperpflege ist wichtig.

Dazu regelmäßig kurz andehnen und locker massieren. Nicht zu hart, sondern irgendwie so, dass die Muskeln geschmeidig bleiben. Alles ohne wirkliche Ahnung von dem, was ich da tue, sondern nach bestem Wissen und Gewissen.

Wer weiß was noch so kommt.

Stunde fünf bis elf

Stunden, Runden. Ändert ja nichts. Immer weiter. War das Wetter in den ersten sechs Stunden noch ok (kühl, aber ok) wird es mit dem Nachmittag immer windiger. Die Zunahme der Windstärke passiert schleichend.

Ich merke, dass ich immer weniger schwitze, mir stattdessen während der Pause immer kühler wird. Mein Pavillon steht auf der Ostseite des Hauses, die Sonne ist weitergewandert. Es geht in den Abend hinein.

Ich entscheide mich den VP in den Keller zu verlegen.

Jetzt am Nachmittag werden die Beine schon müder. Dazu gesellt sich Frust. Der Wind ist nicht durchgängig (was auch ätzend gewesen wäre), sondern kommt in massiven Böen, was dazu führt, dass ich teilweise gefühlt gegen Wände laufe und gehend schneller bin, als laufend. Das saugt enorm viel Kraft, da ich versuche irgendwie meine Rundenzeiten zu bewahren. Wenn ich zu früh in die 50er abdrifte, befürchte ich nicht mehr gut genug regenerieren zu können.

Die ersten Gedanken à la „wie komme ich hier möglichst unbeschadet (körperlich und vom Ansehen her) raus“. Soll ich so tun, als ob ich umgeknickt bin? Durchfall ist immer ein guter DNF-Grund. Ich bin in einem Tief.

Am Ende rette ich mich in den Gedanken, dass ich im Garten windgeschützt bin und das dann alles gut wird. Die Ausgangssperre kommt näher.

Um 21:00 Uhr ist hier Schluss und ich muss in den Garten ausweichen.

RundeRundenzeit
742:24
843:18
944:08
1045:04
1147:05
Rundenzeiten von Stunde 7 bis 11

Die zehnte Runde ist eine Katastrophe. Die Sonne ist fast weg und im Wald stürmt es. Äste fallen und mir ist verdammt kalt. Ich entscheide mich in Runde elf (die letzte vor der Ausgangssperre) eine dickere Jacke und eine Mütze anzuziehen. Nunja … der Wind schläft ein. Keine einzige Böe, ich schwitze wie den ganzen Tag noch nicht.

Ich habe leichte Probleme mit dem Bewegungsapparat, aber ich bin mittlerweile auch bereits seit elf Stunden unterwegs. Alles soweit im Lot. Ich bin durchaus noch motiviert, wenngleich mich das Wetter schon richtig annervt.

Start in die Nachtrunde

Ich bin auf der einen Seite unmotiviert, will das nicht mehr. Auf der anderen Seite ist das so bescheuert, ich will am Ende sagen können „das habe ich geschafft“.

Ich höre eigentlich keine Hörbücher, aber heute muss eine Ausnahme sein. Alles ausprobieren, um die Zeit verfliegen zu lassen. Ich brauche irgendwas, was 8h dauert. Nicht 24, sondern 8, damit ich es zu Ende hören kann.

Ich bin auf „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann gestoßen. Das Buch ist klasse (Leseempfehlung!), heute soll es das Hörbuch sein. Leider ist mir relativ schnell klar, dass ich es nicht zu Ende hören werde.

Das Hörbuch beginnt mit diesem Zeilen.

Im September 1828 verließ der größte Mathematiker des Landes zum ersten Mal seit Jahren seiner Heimatstadt, um am deutschen Naturforscherkongress in Berlin teilzunehmen.
[Pause]
Selbstverständlich wollte er nicht dorthin.

Ich musste lauter lachen, als ich es sollte. Das spiegelte komplett meine Situation wieder. Ich wollte diese bescheuerte Gartenrunde nicht laufen.

Nach wenigen Minuten merkte ich außerdem, dass ich viel zu langsam war. Mein Körper war zwar nicht steif, aber die ständigen Drehungen auf der Wendepunktstrecke gingen nicht so schnell vonstatten, wie ich erhofft hatte.

Ich beendete die zwölfte Runde in 57:02min.

Ich hatte den Tag über jeweils zwei Wecker gestellt. Um 58 und dann zum Start in die neue Runde. Ich hatte nicht mal Zeit mich ausreichend zu verpflegen. Marcel und Sascha versuchten mir zwar noch die nötigen Motivationsspritzen zu geben, aber es half nichts. Es lag nicht an der Motivation, sondern daran, dass mein Körper nach der Vorbelastung mit mehr als 1500hm auf 73km diesen Rundkurs im Garten einfach nicht mehr absolvieren konnte. Ich probierte es, aber ich brach die 13.Runde vorzeitig ab, als ich merkte, dass es unmöglich war die Zeit aufzuholen und rechtzeitig mit der Runde fertig zu sein.

Fazit

Ich hätte sehr gerne erstmals 100 Meilen geknackt, aber das war an diesem Tag einfach zu weit weg.

Für mich war es eine absolut zufriedenstellende Standortbestimmung. Ich bin auf einem guten Weg.

Am Ende stehen 80km mit 1564 Höhenmetern in zwölf Stunden zu Buche und damit kann ich arbeiten. Das Training im Winter hat sich ausgezahlt und jetzt muss (und will) ich einfach den nächsten Schritt machen.

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1. Schindertrail virtual backyard ultra

Am Osterwochenende findet der erste virtuelle Schindertrail Backyard Ultra statt. Und ich habe mich dazu entschieden teilzunehmen. 🙂

Im letzten Oktober habe ich an meinem ersten backyard ultra teilgenommen. Das Ergebnis war da mit neun Runden eher mau und für mich unzufriedenstellend.

Ich hoffe dieses Mal länger durchzuhalten, allerdings laufe ich dieses Mal auch komplett alleine. Das erschwert es glaube ich mental noch einmal.

Motiviert bin ich aber so oder so.

Ich sehe diesen Wettkampf, wie ja eigentlich immer, primär als Training für folgende Herausforderungen in diesem Jahr an. Ich habe noch viel vor!

Kurzfassung:

  • 6,7056km müssen pro Stunde gelaufen werden (das ergibt 100 Meilen in 24h)
  • Beginn der ersten Runde ist am Karfreitag, 2.April um 10:00 Uhr
  • Jede weitere Runde startet 60min später.
  • Das Rennen endet für einen selbst, wenn man nicht zu einer neuen Runde/Stunde nicht am Start steht.
  • Der Wettkampf endet sobald der vorletzte Teilnehmer aufgehört und der letzte Teilnehmer die darauf folgende Runde erfolgreich abgeschlossen hat.
  • Nur der letzte Teilnehmer gilt als Finisher, alle anderen Teilnehmer haben das Rennen nicht beendet (DNF, did not finish).

In der Ausschreibung steht explizit

Grundsätzlich funktionieren alle virtuellen Läufe nur über Vertrauen. Der Virtual Backyard Ultra ebenso. Ihr selbst seid für die korrekte Übermittlung eurer Zeiten verantwortlich.

Passt für mich. Aber trotzdem will ich meine Strecken im Vorfeld bekannt gemacht haben. Schadet ja nicht.

Meine Strecken

Jeder Teilnehmer erstellt sich seine Strecken individuell. Im Normalfall hätte ich nur eine einzige Strecke für Tag und Nacht genutzt, allerdings gibt es dort, wo ich laufe, eine pandemiebedingte, nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr.

Und auch wenn in Ehlscheid um 3 Uhr niemand kontrollieren wird, ob ich mich da durch den Wald kämpfe werde ich das natürlich nicht machen.

Tagesstrecke

Ausgehend vom Garten geht es in den Wald, einmal von der nördlichen Ecke (Hütte am Rennweg) zum südlichen Rand (Hinterfeldhütte). Von dort dann zurück ins Neubaugebiet und dann quer durch den Ort – um auf die benötigten Kilometer zu kommen – wieder zum Start.

Die Höhenmeterangaben von Komoot sind hier nicht ganz richtig. Es sind gut 120hm pro Runde. Flacher ging es irgendwie nicht, aber die Strecke ist eher „rollend“, also ohne allzu großen Anstieg. Geht man von 16 Runden in den ersten 24 Stunden aus kommt man hier aber auch auf rund 2000 Höhenmeter. Vernachlässigen darf man es also nicht.

Bewusst habe ich den längsten Anstieg an den Anfang der Strecke gesetzt, in der Hoffnung, dass ich da nach der jeweils kurzen Pause vorher entsprechend gut hochkomme. Das steilste Stück dürften die letzten 100m zurück zum Start/Ziel sein. Da ist man aber ja entsprechend motiviert. 🙂

Nachtstrecke

Aufgrund der Ausgangssperre kann ich die Strecke nachts leider nicht nutzen, also brauche ich eine Alternative.

Je nach Wetter habe ich zwei unterschiedliche Strecken für die acht Stunden in der Nacht.

Beide Varianten sind Wendepunktstrecken. Also hin und wieder zurück.

Variante 1

  • 44m lang
  • kein Höhenmeter
  • Terrasse + Einfahrt vor den Garagen bis an die Grundstücksgrenze
  • 152 Runden pro Stunde + Hin und Rückweg zum Start/Ziel hinter dem Haus

Ich habe diese Variante ausprobiert. Wie zu erwarten war das natürlich ein GPS-Chaos. Die Uhr meldete auch nur 5,29 Kilometer, aber damit muss ich dann leben.

Ich habe mir bei eBay-Kleinanzeigen extra ein geeichtes Messrad gekauft und die Strecke abgemessen. Ich weiß also, dass die Rundenanzahl korrekt ist. Wenn schon, denn schon.

Variante 2

  • Länge trage ich nach
  • Höhenmeter pro Runde tage ich nach
  • Erweiterung von Variante 1 + kleinen Anstieg auf Rasen
  • xx Runden pro Stunde + Hin und Rückweg zum Start/Ziel hinter dem Haus (sollten etwas mehr über 70 sein, muss aber noch genau messen)

Sollte es nass sein, werde ich diese Variante nicht wählen. Der Grund ist, dass ich bei etwa 70 Runden und acht Stunden und der Tatsache, dass ich pro Runde zwei Mal an der gleichen Stelle vorbei komme, mehr als 1200 Mal über die gleichen Rasenstücke laufen müsste. Bei nassem Gras hätte ich morgens dann wahrscheinlich den Rasen hart belastet. Aber es soll ja trocken bleiben. Schauen wir mal. 🙂

Bei beiden Varianten ist neben der körperlichen und mentalen Komponente vor allem das Problem zu lösen, wie ich die zurückgelegten Runden zähle. Auf die Distanzmessung der Uhr kann ich mich nicht verlassen, so dass ich das irgendwie manuell machen muss.

Ich hatte erst gehofft so einen Besucherzähler, wie man sie aus dem Einzelhandel kennt, zu nutzen, aber das war mir dann, auch „sehr gebraucht“, doch zu teuer. Am Ende bleibt mir da nur übrig mittels Smartphone und „tab counter“ jede gelaufene Runde abzuhaken.

Zwischenstände

Jeder Läufer trägt nach jeder gelaufenen Runde seine benötigte Zeit ein, so dass man sich eine aktuelle Ergebnisliste anschauen kann. Die Zeiten sind allerdings sekundär, weil nicht der schnellste Läufer gewinnt, sondern derjenige, der am Ende noch übrig ist.

Ich werde versuchen ab und an mal ein Update über meine sozialen Kanäle (Twitter, Instagram, Facebook) rauszuhauen. Man darf sich davon zwar nicht ablenken lassen, aber mir hat das in der Vergangenheit durchaus geholfen bei Solo-Läufen den „Kontakt“ nicht zu verlieren. Kann man zu stehen, wie man will. Mich motiviert es.

Mein Start-/Zielbereich

Support und Verpflegung ist bei so einem Wettbewerb eigentlich das Allerwichtigste. Klar, man muss natürlich auch körperlich und mental fit sein, aber am Ende werden es die kleinen Dinge sein, die darüber entscheiden, ob man in die nächste Runde aufbricht bzw. sie rechtzeitig beendet oder nicht.

Support ist aber schwierig, da natürlich möglichst kontaktfrei gelaufen werden soll (bzw. ich das auch will). Aus dem Grund werde ich im Vorfeld alles soweit aufbauen und durchplanen, dass ich während der Pausen nur noch konsumieren und nicht noch irgendwas vor-/nachbereiten muss.

Eine gute Organisation des Start-/Zielbereichs ist also kritisch.

Ich habe ein Setup im Kopf. Werde das an dieser Stelle noch ergänzen, sobald der Bereich aufgebaut ist bzw. nach dem Rennen, je nachdem, ob ich vor dem Start noch die Zeit dafür finde.